Donington Park im LMP, ein natürlich subjektiver Bericht oder die Antwort auf die kranke Frage: Geht Craner Curve voll im LMP?
Soviel vorab: War ein geiles Rennwochenende, auch wenn techn. Probleme bzw. individuelle Fehler ein besseres Ergebnis verhindern
sollten. 1. fr. Tr.: Strecke ist feucht, Jan-Dirk u. der 'Neue', Tony Burgess, ansonsten Stammfahrer bei Seikel, beginnen. Unser
schneller Formel-Junior C. Brück war wegen Budget-Gründen leider nicht in Donington. Gegen Ende hole ich auf abtrocknender Strecke
Slicks. Habe aber noch Probleme mit der Linie. Donington hat einige blinde Ecken, da muss es halt passen. Auto läuft problemlos,
leichtes Übersteuern, 1:29,6. 2. fr. Tr.: Burgess haut die Kiste in den Kies, 10 Min. gehen verloren. Jan fährt solide, ist aber noch
nicht mit sich zufrieden. Set-up ist jetzt besser, es reicht für 1:27,6. Ein Dreher ohne Folgen. Subjektiv habe ich das Gefühl in Craner
voll am Gas gewesen zu sein. Bei der Datenanalyse zeigt sich je- doch bei der Gaspedalstellung, dass ich doch gelupft habe. Der
Fahrzeugingenieur meint, er sässe ja nicht im Auto, aber im Prinzip.........ach so:-) Quali: Nach der Out-Runde eine schnelle Anfahrrunde
und dann die Attackrunde, so lautet die Anweisung. Soweit so gut. Auto liegt klasse. Aber leider wird die schnelle Anfahrrunde auch die
schnellste Runde sein. In der Attackrunde bin im 1.Sektor (Craner) nochmal 5/10 sec. schneller, im 2. Sektor ebenfalls nochmal 5/10
sec., im 3. Sektor drehe mich dann leider am Ausgang der Schickane auf einer Welle. Mein Fehler! Anstatt 1:25,2 stehen so 1:26,2 auf
der Uhr und daher nicht P1 in der Courage-LMP2-Wertung, sondern P2. Allerdings nur 5/10 Rückstand auf den Profi-Kutscher Michael
Vergers, übrigens auch Testfahrer bei Radical. Am Ring hatte Christopher noch 12/10 Rückstand. Die Datenanalyse liefert dann die
Antwort: Ja, Craner Curves geht wirklich absolut voll, 251 km/h...:-) Das dies wohl keine ganz schlechte Aktion war, zeigt sich beim
Vergleich der Sektorenzeiten. Obwohl die deutlich moderneren Lolas u. Radicals insgesamt mehr als 2,5 sec. schneller sind, habe ich
im 1. Sektor/ Craner nur 3/10 auf die Herren Sam Hancock u. Joe Barbosa verloren....:-) Warm-up: Jan u. Tony fahren. Ich stehe
erstmals als Zuschauer an der Stecke und muss grinsen. Bremspunkte aus 250 km/h bei 90 mtr. sind irre. Nachdem das Auto die ganze
Zeit problemlos gelaufen ist, platzt jetzt der 6. Gang im Getriebe. Und es sind nur noch 2,5 Std. bis zum Start. Glücklicherweise gibt es
am Getriebe eine Öffnung, aus der die Gangräder/Welle herausgezogen werden können. Hewland ist auch vor Ort, helfen bei der
Reparatur. Trotzdem wird es knapp. Die Jungs schrauben wie die Weltmeister. Zwei! Minuten vor Schliessen der Boxengasse rolle ich in
die Startaufstellung. Start: Vor mir Michael Vergers, neben mir Marc Rostan, hinter mir Pedro Lamy und Stefane Ortelli. Wird ja richtig
nett. Vergers ist etwas langsam am Start, ich muss links daneben, komme aber nicht vorbei. Wie am Ring taucht dafür Ortelli rechts an
mir vorbei. Wieviel Drehmoment hat eigentlich so ein 7 ltr. Saleen? Ich kann ihn aber noch in der ersten Runde ausbremsen. Hinterher
wird mir einiges klar, Ortelli bekommt eine Stop & Go wegen Frühstart. Hänge jetzt hinter Marc Rostan. Kann die Pace locker mitgehen
und noch auf die Reifen achten. Rostan überholt Phil Bennett im Protran LMP1. Das gelingt mir nicht, obwohl Bennett in den Kurven
langsamer ist. Vielleicht bin ich zu vorsichtig, aber das Rennen ist noch lang und ich will keinen Fehler machen. Michael Vergers fliegt in
den Kies. Sam Hancock einige Runden später auch. Meine Reifen lassen jetzt nach, so geht mein Stint zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt
P15 Ges./P5 in der Klasse. Jan's Stint läuft bis auf eine Safety-Car-Phase problemlos, er fährt gute Rundenzeiten, hat die Strecke
jetzt drauf. Als Dritter geht Tony Burgess raus. Er hat Erfahrung mit den Daytona-Prototypen, tut sich hier aber noch schwer. In
seiner 6. Runde zeigt er beim Überrunden einem RSR-Porsche, wie spät er mit einem LMP bremsen kann. Der Porsche fährt ihm prompt
ins Heck..... Dabei reisst ein Teil des Diffusors und ein Elektro-Kabel ab. Erst fängt das Paddel-Shifting an zu spinnen, etwas später
bleibt auch der Benzindruck weg. Kurzschluss, ein Folgeschaden. Wir müssen 45 min. reparieren und dabei auch die beschädigte
Benzinpumpe tauschen. Immerhin, wir werden noch gewertet, aber das Ergebnis ist sekundär. Wir hatten Spass und konnten eine
wichtige Frage klären...:-) Viele Grüsse & keep on racing
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